23.05.2007 10:59:55
von Andreas Goerdes
RECIFE (BlindNews) Eine Reportage des Fernsehsenders Bandeirantes in Brasilien über einen Buchhändler, der weder schreiben noch lesen kann, verfolgte auch eine blinde Lehrerin. Damit sollte sich das Leben des Buchhändlers grundlegend ändern.
In der brasilianischen Stadt Recife, so berichtet "Die Zeit", gibt es zahlreiche Händler für gebrauchte Bücher. Diese haben sich alle auf bestimmte Gebiete oder Thematiken spezialisiert. Alle? Nein – der Buchhändler Bigode verkauft alles. Bigode ist Analphabet. Er bestimmt den Preis seiner Bücher durch optische Bewertung. Bücher die alt und verschmuddelt aussehen, aber durchaus wertvoll sein können, verkauf der Händler zu Spottpreisen. Gut für Schnäppchenjäger, schlecht für Bigode.
Das hat sich zumindest die blinde Lehrerin gedacht, die eine Methode entwickelt hat, erwachsenen Analphabeten die Welt der Buchstaben zu erschließen. Ihre Schüler müssen aus tastbaren Buchstaben Wörter zusammensetzen, die von der Lehrerin vorgegeben werden. Dem Bericht der "Zeit" zu Folge, soll das Konzept der blinden Lehrerin sehr erfolgreich sein. Denn das Schamgefühl der leseunkundigen Erwachsenen einer blinden Lehrerin gegenüber sei nicht so hoch wie bei einem sehenden Lehrer. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass sich die Lernenden nicht beobachtet fühlen.
Das Angebot der Lehrerin an Bigode, ihm lesen und schreiben kostenlos beizubringen, nahm dieser dankend an. Seit einigen Wochen wird der Buchhändler von der Lehrerin unterrichtet. Das dürfte der Anfang vom Ende der Schleuderpreise für die augenscheinlich wertlosen Bücher sein – denn der Buchhändler macht große Fortschritte.
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